Lost Place

Lost Place

Momentan hat es gerade leichten Südwind, der dann morgen zunehmen soll. Nicht gerade gut in einer Bucht, die nach Süden offen ist – dachte ich mir. Aber als ich das dachte, war es schon vergleichsweise spät. Trotzdem habe ich den Aussenborder, der momentan rumzickt und wegen dem ich an Land in einem Gummiboot paddeln muss wieder an Bord geholt. Ziemlich blöd übrigens die Paddelei. Mit einem Stechpaddel ist das recht nervig. Ich kann das ja eigentlich. Aber dennoch, das dreht sich andauernd. Unerfreulich.
Na gut. Anker hoch und Richtung Semiopoula den Autopilot eingestellt. Hatte nicht viel Wind, mit segeln war das nichts. Wäre sowieso eher Gegenwind gewesen. Semiopoula ist eine vorgelagerte Insel, deswegen dachte ich mir auf der Nordseite dürfte es wohl keine Wellen haben. Die kommen momentan ja von Süden.

Semiopoula links (backbord), Samos rechts (steuerbord)

So ganz falsch gelegen bin ich mit meiner Vermutung nicht. Da zwischen den beiden Inseln war es vollkommen ruhig. Das konnte man schon von weitem erkennen. Also in die Bucht. die mit etwa 5-12m Wassertiefe in der Seekarte eingezeichnet war. Die Vorfreude auf weniger Geschaukel währte aber nicht lang. Keine Ahnung, was die da geraucht haben, als sie die Seekarte gemacht haben. Aber die eingezeichneten Wassertiefen waren vollkommen daneben. Eigentlich erkennt man das schon, wenn man sich das Ufer anschaut. Alles Felsen, eher steil abfallend. OK. Heckleine? Dann müsste ich den Anker auf fast 30m Wassertiefe setzen. Und was das für ein Boden ist, das weiss nur Neptun. Oder Poseidon.
Die Durchfahrt zwischen den Inseln war nicht so breit und wenn die vorgelagerte Insel die Wellen wegnimmt, dann wäre es ja schon mal gut. Dort habe ich versucht, den Anker zu setzen. Diesmal auf 10m etwa. Immerhin. Nur… offensichtlich Felsen. Der Anker wollte da nicht greifen. Verständlich. Das habe ich dann nicht nochmal versucht, wäre mir ohnehin zu unsicher gewesen. Also Anker wieder hoch mit einem Haufen Seegras und wieder zurück.
Einen Vorteil hatte die Übung. Es gibt wieder warmes Wasser, nachdem der Motor etwa 2.5h gelaufen ist. Wegen nichts. Ich war nicht wirklich amused. Kurz vor ganz dunkel bin ich wieder in der gleichen Bucht angekommen und lasse mich jetzt durchschaukeln. Grmpf.

Die letzten beiden Tage bin ich immer wieder mal zur Bucht rüber. Entweder schwimmend oder mit dem Dinghy. Gestern hatte ich mir in den Kopf gesetzt, mal etwas Treibholz vom Strand zu beseitigen. Ohne Fisch, Fleisch oder Würstchen. Statt dessen eben mit Pistazien und Mythos. Gesammelt war das Holz recht schnell. Verfeuert noch viel schneller. Das Holz war so knochentrocken, dass der Holzhaufen recht schnell geschrumpft ist. Immernhin, es langte noch bis es dunkel war und etwa um 22:00 habe ich nassen Fusses das Dinghy bestiegen und bin zurück gepaddelt. Ein wenig Tide gibt es hier wohl auch, vermutlich auch wegen fast Vollmond. Ich musste das Dinghy über ein paar Steine zerren (im Dunkeln) und wie das immer so ist, kamen ausgerechnet dann ein paar grössere Wellen… Aber ja, wenn man ‚Abenteuer‘ will – dann kriegt man das auch problemlos.

Ohne Wurst und ohne Brot. Aber mit der letzten Dose Mythos. Schön wars, abseits vom Feuer dann aber schon ein wenig frisch.

In dieser Bucht hier waren wir ja schön ab und zu mal. Und jedesmal war uns nicht klar, ob denn das Haus, das da die Bucht überblickt bewohnt ist. Oder nicht? Das wollte ich endlich mal wissen. Also rüber und durch etwas Gestrüpp den Hang hoch. Als ich näher dran war, war schnell klar – da wohnt keiner mehr.

Das grüne links ist ein gigantischer Rosmarin. Neben dem intensiven Geruch des Rosmarin roch es auch nach Thymian. Iampf. 🙂

Das Gebäude habe ich dann innen wie aussen besichtigt. Gut – so ganz frisch war das schon alles nicht mehr. Aber immerhin, alles Böden Marmor und die Bausubstanz offensichtlich nicht ganz so schlecht. Da habe ich in Griechenland schon viel, viel schlimmeres gesehen. Auch die grünen Aluminiumtüren, mit denen man die Balkontüren Richtung Meer verschliessen kann, sahen jetzt nicht so schlecht aus. Anders die Holzteile, an denen hat eben der Zahn der Zeit (sprich: Witterung) rumgenagt.
Haus mit Atrium und Marmorboden. Nicht so schlecht, eigentlich. Sollte man mal durchfegen vielleicht. Oder mit dem Wischmop durch.

Es gibt in dem Haus mehrere Zimmer mit Betten, sogar Matratzen liegen noch rum. Das Sofa ist auch noch im Wohnzimmer. Eine riesige Küche und ein Wohnzimmer mit Kamin. Eine Terrasse zeigt direkt auf die Bucht, die andere eher zur Seite. Ohne Marmor. Aber dafür gibts vorgelagert nochmal eine kleine Terrasse (Nr. 3), da ist wohl mal das Gemüsebeet gewesen. Oder so. Auf jeden Fall ist da noch ein Wasserhahn neben dem ‚Beet‘.
Alles in allem nicht schlecht. Fragt sich nur, für was das mit den vergleichsweise vielen Schlafzimmern, der grossen Küche und dem ebenfalls grossen Wohnzimmer mal gedacht oder benutzt wurde. AirBnB wohl kaum. Vielleicht eine Sekte? Heim für schwer erziehbare Jugendliche? Gegen letzteres spricht wohl der Marmorboden. Oder einfach einer, der mal irgendwann gut Geld hatte und sich dieses Anwesen als Sommerresidenz gebaut hat. Weiter unten auf dem Gelände gibt es noch eine kreisrunde Betonplatte mit etwa 15m Durchmesser. Vielleicht ein Helipad? Oder viel trivialer, die Güllegrube? Man weiss es nicht.

Schönes Wohnzimmer mit Meerblick und Kamin

Die Küche ist noch so gut wie erhalten, sogar ein Herd steht noch drin. Der Grösse nach denke ich, dass das gleichzeitig Esszimmer war. Dort hat es eine Terrasse, die eher nach hinten zeigt. Dort teils überdacht und beschattet von Olivenbäumen und anderem Gesträuch.

Die Küche. Geräumig und für mehr als zwei Personen ausgelegt. Rechts geht es auf die hintere Terrasse.

Mehr Bilder von dem Haus finden sich in der Galerie. Es gab wohl auch mal eine Strasse, oder zumindest Feldweg zum Haus. Das ist aber alles zwischenzeitlich zugewachsen, da müsste man erstmal mit der Heckenschere und der Säge durch. Trifft auf einiges auf dem Grundstück zu. Das ist wie ich zwischenzeitlich beim elektronisch Katasteramt herausgefunden habe etwa 10 Hektar gross. Die kleine Kapelle gehört auch dazu. Die Katasternummer ist 430320307006.

Interessanterweise steht da ‚bare area‘. Wie wenn da kein Gebäude drauf stehen würde…

Anmerkung: Jetzt habe ich nach dem wordpress update eine ganze Weile geübt wegen den Bildbeschreibungen. Vorher konnte man das in der Galerie einfach eintippen. Habe ich überall gemacht, erscheint aber nicht wie beim ersten Bild. Vielleicht gelingt mir das beim nächsten Mal. Ich geh jetzt schlafen. Gute Nacht!



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