Meine Neptun 23

Im Jahr 2002 wurde mir eine nicht mehr ganz so neue Neptun 23 suf dem Zürichsee angeboten. Ich habe eine Weile überlegt ob ich sie kaufen sollte oder nicht. Es gab einfach Bedenken, ob das nun so ähnlich wie eine Ferienwohnung ist. Man fühlt sich verpflichtet, muss sich darum kümmern und ist ständig am gleichen Ort. Wenn man chartert ist das eben schon anders, das kann man immer wieder woanders machen und segeln gehen wo man will. Schlussendlich habe ich sie gekauft. Es war ein Liegeplatz dabei und ich wollte auch Erfahrungen sammeln, wie das denn so ist ein eigenes Boot zu besitzen. Und eben auch zu lernen und weitere Fehler später zu vermeiden bei einer grösseren Yacht. Nun…. ja. Es gab einige viele neue Erfahrungen.
  • Breite 2.50 m
  • Mastlänge 8.30 m
  • Segelfläche 28 qm
  • Gewicht 1500 kg
  • Ballast 450 kg
  • Tiefgang 0.85 m
  • Material GFK
  • 2 Takter Aussenborder 10PS
Neptun 23, Rumpf #67
zugegeben, sieht auf dem Foto nicht so toll aus. Aber in real sah es etwas besser aus. Es war zu dieser Zeit auf den Binnenseen der Schweiz oder Deutschland sehr schwierig ein Segelboot zusammen mit einem Liegeplatz zu finden. Bingo! Also habe ich es im November 2002 für 15’000 Franken gekauft, inclusive Trailer und der Berechtigung für einen Hafenplatz. Von einem Mann, der – wie dann mal erfuhr – noch nicht mal einen Segelschein besass. 😉 Interessant.  Im Frühjahr 2003 haben wir es geputzt, das Unterwasserschiff angeschliffen und neues Antifouling aufgetragen. Als wir uns das Unterwasserschiff angeschaut hatten, waren und schon Blasen aufgefallen. Da hatte ich noch die Hoffnung, dass das nicht Osmose sei. Egal, wir hatten einen tollen Sommer auf dem Boot. Es war wirklich ein heisser Sommer und wir haben es sehr oft benutzt. Ende des Jahres hatte ich eine Halle gemietet in der Nähe meines Wohnsitzes. Und dann schaute ich mir diese Blasen genauer an. Beim Öffnen roch das seltsam. Ich beschloss, einen Profi zu fragen und habe International Yacht Farben kontaktiert. Sie haben dann jemand aus einem Stützpunkt in der Nähe geschickt, der das Boot untersucht hat. Das war der Zeitpunkt, an dem meine Befürchtungen wahr wurden. Osmose. Nicht Osiris, das ist was anderes. Was tun? Einfach ignorieren und halt segeln gehen damit? Etwa 10’000 Franken investieren um es reparieren zu lassen? Das sollte doch mit eine wenig Hilfe von Freunden möglich sein, das selbst zu machen. Also habe ich eine professionelle Schleifmaschine gekauft und wir haben losgelegt. Das gesamte Gelcoat unterhalb der Wasserlinie musste runter.
Abschleifen des Gelcoats
Nach einigen Wochen Arbeit im Winter hatten wir das geschafft. Ich glaube das ist klar – während der Zeit brauchten wir nicht mehr ins Fitness Studio. Das ist wirklich harte Arbeit mit so einem Schleifer. Kurz bevor ich fertig war, hat der Schleifer den Geist aufgegeben. Glücklicherweise war er ja neu und hatte noch Garantie. Also bin ich zurück in den Laden und habe ihn zurückgegeben. Man sagte mir, dass man noch nie Probleme mit diesen Schleifern gehabt habe und was ich denn damit gemacht hätte. Er würde ja aussehen, als ob er Jahre in Gebrauch gewesen sei. :)) Egal, sie haben ihn ersetzt – ich hatte einen nagelneuen Schleifer und konnte die Arbeiten abschliessen. Nach dem Abschleifen habe ich das GFK mit Wasser gründlich abgewaschen und dann etwa 6 Wochen unter gleichzeitiger Verwendung von einigen Heizlüftern austrocknen lassen. Nun musste ich noch warten, bis die richtige Aussentemperatur herrschte (etwa 20 Grad) um dann mit der Epoxybeschichtung zu beginnen. Irgendwann um meinen Geburtstag herum im März haben wir dann die Beschichtung gemacht. Es ist keine Raketentechnik, aber man muss eben schon die Zeiten einhalten. Auch, damit man nicht nochmal zwischenschleifen muss. Also haben wir nach den Primerschichten dann morgens mit dem Epoxy angefangen und hatten die notwendigen 3 Schichten Epoxy dann am Abend aufgetragen. Dann die Zwischenschichten…. Und am Schluss das Antifouling, International VC17 in diesem Fall. Ohne Werbung machen zu wollen, aber das Zeug ist schon top. Dünn, schnelltrocknend, man muss nicht zwischenschleifen, kann man einfach drüberstreichen. Fazit Ich sage es aus meiner Perspektive ganz einfach. Wenn man ein Polyester Boot hat, gibt es eine nicht geringe chance, dass man auch Osmose hat. Speziell dann, wenn es zwischen dem antifouling und dem gelcoat keine wasserstoppende Schicht gibt. So wie in diesem Fall. Man kann das selbst machen, wenn man willens ist Zeit und Arbeit zu investieren. Auf die Art kostet das dann vielleicht noch etwa ein Drittel. Ob das bei einem 40 Fuss Boot gemacht hätte – keine Ahnung. Auf jeden Fall lernt man Einiges. Ich habe daraus gelernt, dass GFK ok ist als Baumaterial. Es hat seine Vorteile, denn es rostet nicht. Aber ich kann nicht zustimmen, dass es super pflegeleicht ist. Und wie bei jedem Material, braucht man etwas um es vor den Elementen zu schützen. Ich für meinen Teil habe habe beschlossen, dass es entweder ein Stahlboot mit professioneller Epoxy Beschichtung oder Aluminium Boot ist auf dem ich leben möchte.

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