Segeln – Der Anfang, die Mitte und Heute

Das ist jetzt ein wenig Text, aber es deckt eben auch eine längere Zeitspanne ab. Vielleicht kämpft sich ja der eine oder andere durch. Feedback und Fragen sind willkommen. Begonnen hat das mit dem Wassersport zusammen mit meinen Eltern. Als ich etwa 10 war, bekam ich ein eigenes Kajak und zusammen unternahmen wir dann viele Flussfahrten.

Dazu gehörte auch im Sommerurlaub dann längere Touren zu machen. Bis zu drei Wochen waren wir dann nur mit dem Boot, Zelt und dem Gaskocher vornehmlich auf Flüssen in Frankreich unterwegs. Man lernt dann, dass man eigentlich zum Leben verdammt wenig braucht. Und man ist auch in ziemlich engem Kontakt mit der Natur. Meistens eine schöne Sache, totale Ruhe und kein Gestank von Autos. Und – das war vor der Erfindung des Mobiltelefons. Zumindest in der Art wie wir das heute kennen. Auf jeden Fall hatte keiner eins. An einem Telefon war immer ein Kabel und Autotelefone hatten bestenfalls die ganz gut Betuchten. Interessanterweise vermisst man das aber überhaupt nicht.

Statt dessen beschäftigt man sich mit der Natur. Man kann ein kleines Wehr im Fluss bauen, Feuer machen, Hütten bauen, Bäume fällen (OMG!! …natürlich nur abgestorbene zum Feuer machen :), Fische grillen, Bisamratten und Eisvögel beobachten. Die Liste ist fast unerschöpflich, vorausgesetzt man hat ein bisschen Fantasie und Ideen was man machen könnte. Das Wort Langeweile kannte ich gar nicht. Also ich kannte es schon, aber mir war die Bedeutung absolut nicht klar.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir einmal eine ganze Weile unterwegs waren (vermutlich Dordogne) als wir dann in die Nähe einer Stadt kamen. Das hat man schon einen Kilometer vorher gerochen, ohne zu sehen dass da eine Stadt ist…. Ob das wohl heute auch noch so wäre mit allen Filtern und Katalysoren?  Ich meine, das gehört sicher zu den Dingen, die besser geworden sind. Allerdings waren es zu der Zeit auch nur ein Bruchteil der Autos, die heute so unterwegs sind.

Natürlich, so auf Du und Du mit allem möglichen Getier hat manchmal seine Schattenseiten, aber man gewöhnt sich dran. Und meistens wollen die auch Ihre Ruhe. So wie die Schlange, die sich mal in meinem Zeltsack verkrochen hatte. Sie war wohl der Ansicht, da drin sei es schön kuschlig. Das war damals in Jugoslawien, damals gab es an der Krka am Fuss des Wasserfalls noch einen Zeltplatz.

Heute ist das dem Massentourismus gewichen, weil Weltnaturerbe. Anstelle Zelte stehen da jetzt Autos, Pommes Buden und dergleichen und man darf nicht mehr an den Wasserfall ran – der ist ja Weltnaturerbe. Ironisch. Vor allem wenn man sieht wieviele Personen da durchgeschleust werden, weil es zum bezahlten Pflichtprogramm gehört. Da bin ich sehr froh und meinen Eltern dankbar, dass ich das noch erleben durfte.

Die Geschichte mit dem Segeln begann dann durch einen Schulfreund und Seglerkollegen. Wir waren zusammen am Schluchsee und segelten da mit einem 470er. Das hat vielleicht Spass gemacht! Man segelt mit Vorwind zur Staumauer, dann dreht der Wind so, dass man wieder mit gleicher Segelstellung zurück segeln kann. Echt schräg, aber es schult das Gefühl für den Wind und die Unberechenbarkeit der Natur. Vor allem dann, wenn man dann ‹im Bach› liegt, weil es entweder eine nicht vorhersehbare Bö gegeben hat. Oder schlagartig der Wind weg war.

Meine nächste grössere Begegnung mit dem Segeln war dann etwas grösseres. Ich muss da so ca. 18 gewesen sein, als wir drei Wochen lang mit einer Segelyacht auf dem Mittelmeer unterwegs waren. Bei der Yacht handelte es sich um eine alte (italienische?) Regatta Yacht. Absolut kein Vergleich mit dem was heute so unterwegs ist. Zum einen wegen dem Komfort (nicht vorhanden) und wegen dem Platz drauf (nicht vorhanden). Es gab nicht mal einen Kühlschrank. Was unter anderem zur Folge hatte, dass die Margarine nach einiger Zeit die Farbe von gelblich nach grünlich wechselte. Also essensmässig fast Verhältnisse wie auf dem ‹(U)BOOT›, nur dass wir nicht unter dem Wasser sondern auf dem Wasser waren.

Die Überfahrt von Finale Ligure nach Bastia muss für mich eine einschneidende Erfahrung gewesen sein. Sonst würde ich mich heute kaum noch so genau daran erinnern. Denn im Grunde habe ich eher ein schlechtes Gedächtnis für unliebsame Ereignisse. Vielleicht wars ja auch nicht so schlimm, dass ich mich eben doch noch daran erinnern kann.

Es ist eben nicht schlimm gewesen – es war ein Abenteuer. Denn sonst hätte ich wohl kaum später den Weg zum Segeln gewählt. Auf jeden Fall war das ein Erlebnis – diese Überfahrt. Das erste Mal auf einer Yacht. Und dann gleich mal ca. 120 sm auf einen Schlag. Das Wetter war eigentlich ganz gut, auf jeden Fall hatte es eine Menge Wind. Und das Boot lief extrem gut, es war ein Langkieler mit einem elends hohen Aluminium Mast. Im Nachhinein denke ich, dass das Boot doch ein klein wenig übertakelt war. Den Alumast hatte man mal montiert, weil der aus Holz abgebrochen war. Und klarer Fall, wenn man schon mal einen neuen Mast draufmacht…. Ihr wisst was ich meine. Ah – und es war eine Ketch. Habe ich glaube ich noch nicht erwähnt.

Die Überfahrt war auf jeden Fall recht turbulent. Im Nachhinein kann ich es nicht mehr sagen, wieviele Windstärken das waren. Aber 6 waren es sicher. Auch nachts. Ich schätze es war zu meisten Teilen ein am Wind Kurs, also es ging dann vorn mit dem Bug doch schon einigermassen rauf und runter. Und ja… dann muss man halt auch mal Segel wechseln.

Jaaaaa…. meine meine Damen und Herren. Nachts, ohne Decksbeleuchtung 6 bft, Wellengang und dann nix von wegen ‹komm, verkleiner mal die Rollgenua vorn ein bisschen. Das machen wir dann gemütlich vom Cockpit aus.› Da wird jeder Segelwechsel und Reff schnell mal zu einem Abenteuer. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich den Eindruck hatte, das sei so wie in einem Fahrstuhl da vorn. Oder vielleicht Achterbahn. Ein bisschen wie Europapark, wenn das Bähnchen dann in das Wasser getaucht wird unten. Der Unterschied war allerdings dass man dann nicht nur paar Spritzerchen Wasser auf der Hose hat. DAS war segeln!

Zwischendrin wars dann ein bisschen blöd, weil es mir so schlecht war von der Achterbahn, dass ich mich ständig übergeben musste. Eine Weile geht das ja. Aber irgendwann ist da nichts mehr, was man irgendjemand irgendwohin übergeben könnte. Nicht so gut. Also vorher was trinken und dann wieder raus. hmmmm….

Wie immer im Leben, irgendwann kommt wieder Sonnenschein. Und es gab Sonnenschein am Morgen. Wundervoll. Man kommt sich vor, als wäre man aus der Unterwelt wieder aufgestiegen. Nach einigen weiteren Seemeilen hatten wir dann Bastia erreicht. Das war auch wieder ein Erlebnis. Nicht, dass der Boden sonderlich geschwankt hätte. Das ging eigentlich. Aber als wir dann alle zusammen in einer Bar jeder zum Erstaunen des Barkeepers einen Ein Liter Krug mit Mineralwasser bestellt hatten und so da sassen, da hatte ich das Gefühl…. dass irgendjemand dauernd die Bar rauf und runter bewegt. (Wenn ich mir das heute so überlege, glaube ich der Barkeeper kannte das. Oder wieso hatte der so riesige Gläser? 🙂

Danach umsegelten wir dann ganz Korsika. Im heutigen Naturschutzgebiet La Scandola (das mit den roten Felsen) sammelten wir Miesmuscheln und machte Spaghetti a la vongole und in Porto Cervo war ich dann (staunenderweise) auch mal.

Bonifacio ist mir auch gut in Erinnerung geblieben. Ich hatte da einen ‹Tauchunfall›. Beim Tauchen nach dem Geschirr was bei Spülen über Bord gegangen war, bin ich wohl so knapp 10m tief getaucht und mir ist ein Äderchen im Auge geplatzt. Meine Mutter war der Ansicht, dass das unbedingt behandelt gehöre, weil ich sehe ja aus wie ein Zombie. Der Taucherarzt hat das etwas entspannter gesehen im Hafen von Bonifacio. Aber er hat wohl den Jungs von der Miltärpolizei oder Marine einen Gefallen tun wollen. Und so haben die mich im offenen Citroen Kübelwagen mit Blaulicht die Strassen von Bonifacio hochgefahren. Zur Apotheke. Was ein Spass! Alle Touristen sind auf der kurvigen, engen Strasse vom Hafen nach oben auf die Seite gesprungen. Ich muss heute noch lachen, wenn ich daran denke.

Insgesamt dürften das wohl so um die 450 Seemeilen gewesen sein. Hätte ich mir das damals bestätigen lassen, hätte ich grade den Schein machen können. Aber dazu kam es erstmal nicht. Zwischendrin war dann noch Bundeswehr und dann Studium. Und während dem Studium hatte ich die Gelegenheit, bei der Fachhochschule das Bodensee-Schifferpatent zu machen. Und wenn man schon mal die Gelegenheit hat für so wenig Geld, dass es sogar ein Student bezahlen kann – dann macht man das. Danach folgten dann noch weitere Scheine (BR, Sportboot See und Binnen).

Danach wurde ich von meinen Eltern zu einem Segeltörn von Elba bis Korsika eingeladen. Was ich allerdings erst erfuhr, als wir dort waren – ich sollte im Anschluss gleich die Prüfung für den Hochsee Schein machen (also BR – Küste, aber langt ja). Nachdem ich mich an Gedanken gewöhnt hatte und gefühlte hundert mal das Mann über Bord Manöver trainiert hatte, war ich anschliessend wohl einer der wenigen, der die praktische vor der theoretischen Prüfung abgelegt hatte. Was dann bei dem Prüfungskomittee zu etwas Verwirrung sorgte, aber dann doch akzeptiert wurde.

Was macht man dann, wenn man den Schein in der Tasche hat? Klar! Ein Boot chartern. Reichlich unerfahren ging es los von Pisa bis nach Korsika, via Capraia. Allerdings… sonderlich weit kamen wir im ersten Anlauf nicht. Kaum aus der Flussmündung des Arno raus, begrüsste und ziemlicher Schwell und zumindest gefühlter Sturm. Zumindest empfanden wir das so. Wir waren dann nicht die einzigen, die im Hafen von Livorno Schutz suchten. Es stürmte sogar im Hafen. Das muss wohl Mistral gewesen sein. Eine Erfahrung reicher (Badeleiter besser hochklappen und bei der Abfahrt das Landkabel abmachen) gings ohne markante Zwischenfälle weiter über Capraia bis nach Korsika.
Warum genau wir dann in Solenzara gelandet sind, weiss ich nicht mehr. Aber ich weiss noch, dass es da Wind hatte bis zum Abwinken. Nach heutiger Erfahrung würde ich sagen, es war wohl so um die 7 bft. Bei blauem Himmel. Lifebelt an, und zwar schnell. Wo kommt nur plötzlich der Wind her? Da ja damals noch nichts war mit GPS, gab es ein LORAN-C. Also Funkortung. Auch damit kann man seine Position bestimmen und ob man gegen den Wind mit Maschine überhaupt fahrt macht. Nur geht das nicht so wirklich, wenn zwei Funkstationen aussteigen. Das haben wir dann hinterher erfahren. Zur Verwunderung anderer Segler kamen wir dann bei reichlich Wind (aka Sturm) im Hafen von Solenzara an. Dort wunderte man sich nur, dass bei dem Wetter (Sonnenschein und Wind) überhaupt noch jemand in den Hafen kommt.
Ich konnte dann unter der Dusche meine Salzkruste abwaschen, wir hatten alle einen tollen Abend zusammen und viel später wurde mir auch klar, wo der immense Wind herkam. Von einem Landeinschnitt oberhalb Solenzara, der wie eine Düse wirkt. Nun – man lernt nicht aus.

In der Folge war ich als Erfahrung sammelnder Skipper noch auf einigen Törns. Ausschliesslich Mittelmeer. Warum es mir das Meer so angetan hat, weiss ich nicht. Der Salzgehalt ist es sicher nicht. Aber vielleicht die Kindheitserinnerungen. Es waren also Törns in: Korsika (das Cap Corse umrunden kann trickreich sein), Kroatien (kurz nach dem Krieg), Griechenland, Elba, Sizilien… etc.
Immer wieder ein Erlebnis. Klingt vielleicht seltsam, aber irgendwie habe ich es immer genossen, wenn es warm war beim Segeln. Vermutlich deswegen, weil man als Berufstätiger eben nicht sooo viel Urlaub hat. Und dann ist es mir lieber, wenn es einigermassen sicher warm und sonnig ist.

Nach den ersten Törns gab es dann praktisch eine Kinderpause. Das Problem sind nicht Kinder an Bord, sondern die Tatsache, dass man dann ein Boot praktisch allein für eine ganze Familie chartern und bezahlen muss. Mit drei Kindern geht das ins Geld.

Also kaufte ich auf dem Zürichsee eine Neptun 23, die ich dann renoviert habe. Der neumodische Ausdruck wäre wohl ‹refit›. Nachlesen könnt Ihr das an anderer Stelle auf dieser website.
Die Zeit war dann nach über 10 Jahren auch mal vorbei. Auch deswegen, weil ich meine, dass es manchmal vor lauter Motorbooten nicht auszuhalten ist. Es gibt erstaunlicherweise keine Geschwindigkeitsrestriktionen und so fühlt man sich schon merkwürdig zwischen all den rasenden Motorbooten. So schön die Kulisse mit den Alpen hinten dran auch ist.

Das Boot ist seit einer Weile verkauft. Ich war seit einiger Zeit nun wiederholt chartern. Schön. Und zugegeben, es haben ja alle recht. Chartern ist einfacher, man muss am Schluss nicht putzen und auch nichts reparieren.

Aber….. ja….. es ist einfach anders.

…to be continued.


2 thoughts on “Segeln – Der Anfang, die Mitte und Heute”

    • Lieber Markus,
      ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar!
      Damit hast Du einen Orden für den ersten Kommentar verdient!!! :))
      (Und dafür, dass Du Dich da durchgebissen hast…)

      Liebe Grüsse,
      Sven

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