Die Geschichte der Mustang

Doch – alles richtig hier mit Mustang und Leukothea. Die Namensänderung wird eben noch stattfinden irgendwann im Jahr 2021. Bis dahin bleibt der Name erstmal bestehen. Es macht einfach einiges mit den Behörden etc. einfacher.

Wie an anderer Stelle beschrieben, habe ich ja nach einem Boot gesucht, das gewisse Kriterien erfüllen sollte. Da ich von Wohnflössen abgekommen bin, blieb also ein Einrumpf Boot.

Manchmal hat der Zufall seine Finger im Spiel. So war es dann auch, als ich mehr aus einer Laune heraus bei einem Chartertörn in der Türkei dachte: ‹Wenn ich schon mal da bin, dann kann ich mir das Boot ja auch anschauen.›
Bei das boot ging es um eine Alu Yacht, die nahe Marmaris stand und die ich auf charterworld gesehen hatte. Wirklich ernsthaft gemeint war das nicht. Die äusseren Umstände (in denen ich mich so befand in diesem Jahr) sprachen jetzt nicht wirklich dafür, sich damit ernsthaft zu beschäftigen. Trotz allem – ein Blick kann ja nicht schaden. Und so kam es zu einem ersten Besichtigungstermin zusammen mit dem Eigner.

Glücklicherweise sprach er deutsch, weil er lange in Deutschland gearbeitet hatte. Er stellte uns das Boot mit vielen der kleinen und durchdachten ‹Gimmicks› vor, die er umgesetzt hat. Interessanterweise sah das Boot von innen viel geräumiger aus, als es auf den Bildern im Inserat den Anschein machte. Klar, es ist kein neues Boot. Aber es machte alles einen robusten und soliden Eindruck. Also wohl eine gute Basis. Und es gab ein paar bestechende Eigenschaften: Decksalon, Mittelcockpit, Alu, eingebaute Werkstatt, Rundspant (also nicht die üblichen ‹Knicke› die es häufig bei Metallbooten gibt) …um nur ein paar zu nennen. Nicht zu vergessen der grosse ‹wine-cooler›. Wenn das nichts ist! 🙂
Alles in allem eine richtige Blauwasser Yacht. Schon etwas ganz anderes als das, was man so üblicherweise chartert. Die Breite vom 4.50 und die Tatsache, dass es unter 15m LüA war tat das Übrige um sich für das Boot zu begeistern.
Also brachten wir anschliessend den 14 Tage Törn in der Gegend um Marmaris hinter uns und anschliessend nochmal zu dem Boot. Nochmal anschauen und drumrumschleichen. Sollte es das vielleicht sein?
Eigentlich bezüglich meiner momentanen Situation nicht gerade der optimale Zeitpunkt um ein Boot zu kaufen. Aber wann ist denn schon der optimale Zeitpunkt?
So ging das dann noch eine Weile mit Kontakten zum Eigner und dem ursprünglichen Konstrukteur hin und her. Als ich dann wiederum durch meine Kollegen gefragt wurde ob ich einspringen kann bei einem 1 Wochen Segeltörn ab Marmaris habe ich dann zugesagt. Und nach dem Törn dann einen vorläufigen Kaufvertrag unterschrieben. Nach einer Anzahlung war dann der Prozess im September gestartet.

Zur Geschichte des Bootes gibt es Folgendes zu erzählen: Das Boot befand sich immer im Eigentum des ersten Eigners, der das Boot nach den Plänen eines deutschen Bootsbauers und Konstrukteurs hat bauen lassen. Der Bau fand in einer Werft in der Nähe von Istanbul statt, die sich mit Aluschiffsbau auskannten. Unglücklerweise machte die Werft dann auf halber Strecke pleite. Der Eigner liess das Boot dann mit den Arbeitern der Werft in Eigenregie fertig bauen. In der Folge ging er dann auf Weltumsegelung – ostwärts (!). Das verlief soweit wohl auch alles gut bis nach Thailand. Dort musste er dann aber abbrechen aus familiären Gründen. Nachdem er also schon einige Seemeilen hinter sich gebracht hatte, benannte er das Boot in ‹Mustang› um. Grund dafür seien die Segeleigenschaften gewesen. ‹Wie ein wilder Mustang› – so segle das Boot. Mit anderen Worten: Schnell.


Beim Probesegeln sollte sich dann erweisen, dass das Boot allem Anschein nach wirklich recht flott unterwegs ist unter Segel. Nachdem der Motor nach Anlaufschwierigkeiten am Anfang (Loch im Abgasstrang) erst lief, ging er dann auf dem Meer vor Marmaris aus und liess sich nicht mehr starten. Also ‹mussten› wir segeln. Nur mit dem Grossegel, weil der Segelmacher der Meinung war, die Genua sei ‹zuviel für den alten Mann bei 20 Knoten Wind› 😀 Deswegen war sie eben nicht auf den vorderen der 3 vorhandenen Furler eingefädelt.

Da also der Motor sich veranschiedet hatte, kamen dann zwei Jungs von der Werft mit einem Schlauchboot zum abschleppen. Es segelte aber ganz gut und so zogen wir nur mit dem Grossegel (40m2) das Schlauchboot mit 5.5kn hinter uns her. Ich muss zugeben, das hat mich schon beeindruckt….. Wie ist das wohl, wenn man noch die 80m2 Genua setzt?

Ein Mustang wohl….. So ganz konnte ich den fantastischen Angaben der Leute Leute von der Werft und vom Eigner allerdings immer noch nicht glauben. Da wurde von Geschwindigkeiten jenseits der 10 Knoten gesprochen, die die Yacht locker erreiche bei gutem Wind. Da war ich mir nicht so sicher, ob das nicht eher aus der Welt der Fabeltiere stammt. Wir werden es dann sehen. Zumindest habe ich mal bei einer kleinen Recherche festgestellt, dass die Mustang eine grössere Segelfläche hat als 50 Fuss Yachten, die heute so unterwegs sind.

Eigentlich war mir schon vor der Probefahrt klar, dass ich wohl auf einen Surveyor verzichten werde. Sicher, es mag Sinn machen mit einem Surveyor. Allerdings war ich mir ohnehin bewusst, dass ich noch das eine oder andere zu tun hätte an dem Boot. Und das würde sich auch mit einem Surveyor nicht wahnsinnig ändern. Die üblichen Inspektionen – inklusive Rumpfdickenmessung – hatte ich selbst gemacht. Ich habe also jetzt ein Dickenmessgerät rumliegen, von dem ich nicht weiss ob ich es nochmal brauche. Aber wer weiss. Vielleicht braucht es ja mal jemand.

Eine weitere Entscheidung, die noch getroffen werden musste war dann ob mit oder ohne Agenten zur Kaufabwicklung. Das lief dann aber alles (trotz ab und zu vorhandener sprachlicher Hürden) zusammen mit dem Eigner ab. Er hatte sich da sehr engagiert und sich kundig gemacht, wie das ablaufen muss mit den türkischen Ämtern.

Vereinfacht ging das so:

  1. Umschreibung der Registrierung von Antalya nach Istanbul
    (Um die Wege zu vereinfachen, speziell während corona)
  2. Beim Hafenmeister die Entflaggung starten, Pässe vorlegen
  3. Zum Notar, Kaufvertrag mit Zeugen unterschreiben
    (mit vereidigter Dolmetscherin und Übersetzung des Dokuments. Beim Notar fand dann auch die Bezahlung statt. Ich hatte das online dort angestossen und dann jemand von der Bank dran, der mündlich vor dem Publikum die ausgelöste Überweisung bestätigt hat.)
  4. Beim Hafenmeister wiederum die Entflaggung (Deregistrierung) abschliessen.
  5. Auf dem Bürgermeisteramt den Vertrag nochmals amtlich beglaubigen lassen mit einer ‹Apostille› (Bezeichnet den Beglaubigungsvorgang und beinhaltet dann auch den Ausschluss Rechter Dritter an dem Boot)
  6. Registrierung für den internationalen Bootsschein beim ADAC in Deutschland anstossen
  7. Versicherung für das Boot machen
  8. Boot dann zu späterem Zeitpunkt einmal mit einem Transitlog ausführen nach GR und dann wieder in die Türkei
  9. Namensänderung von ‹Mustang› nach ‹Leukothea›

Klingt alles kompliziert und aufwändig; aber eigentlich gehts. Vor allem geht es auch ohne nochmal viele Leute drin zu haben, die dann mit seitenlangen Verträgen und Klauseln Geld verdienen. Das Geld steckt man dann lieber in den neuen Antifouling Anstrich….
Zum momentanen Zeitpunkt sind die Schritte 6.-9. noch am Laufen oder offen. Ich bin aber zuversichtlich, dass das alles noch ins Lot kommt. Zumindest habe ich schon mal viele blaue und rote Stempel von der Notarin und den Ämtern.




(to be continued)


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