Tauschgeschäfte und die Gyros Katze

Tauschgeschäfte und die Gyros Katze

Nachdem die Mustang auf Ihrem Platz war, ging es los mit der Vorbereitung. Schleifen, schaben, reinigen des Unterwasserschiffs. Glücklicherweise ist das Antifouling, das Okan damals verwendet hat wohl recht wirksam. Bernhard mein ‚Segelnachbar‘ meinte, sein Schiff hätte nach 2 Jahren viel schlimmer ausgesehen. Arbeit ist es trotzdem, aber das war im Rest des Montags dann auch geschafft.

Seepocken und sonstiges entfernt, dann kann es ja losgehen

Nebendran steht übrigens das Schiff von ‚Captain Andreas‘. Er und seine Frau Mira machen seit über 50 Jahren Schiffs und Angeltouren – normalerweise liegt sein Schiff im Hafen von Pythagorio. Er meinte, dass er das dieses Jahr das letzte Mal macht. Anschliessend will er sein Schiff verkaufen und wieder fischen gehen. Er sei ja eigentlich Fischer, nun will er das auf seine alten Tage wieder machen. Das sei was anderes, als mit Touristen zum Angeln zu fahren.
Es war schon interessant wen man so alles kennenlernt, wenn man sein Boot an Land hat und selbst dran arbeitet. Um mich rum nur Griechen, die alle an Ihren Schiffen gearbeitet haben. Es scheint, als ob man schneller ‚dazugehört‘, wenn sie sehen dass man selbst am Boot erbeitet. Die beiden haben mir dann noch einen Kaffee angeboten und meinten, ich solle es nicht übertreiben – letztens hätten Sie mal einen Engländer tot aus dem Auto geholt – Herzinfarkt. Immer langsam. Siga Siga. 🙂
Trotzdem – den ersten Anstrich wollte ich zumindest am Dienstag schon mal schaffen. Das ist mir auch gelungen, obwohl ich nach der Hälfte schon dachte ‚eigentlich reichts jetzt‘. Aber es sollte Regen kommen und da wollte ich vorher fertig werden.

Erster Anstrich drauf. Hätte gedacht, dass das Navy Blue die gleiche Farbe ist. Aber wohl doch nicht. Und ja, das soll Navy Blue sein. Auch wenn es schwarz aussieht.

Zwischendrin habe ich mich dann noch an dem Bugstrahlruder rumgebastelt. Fing damit an, dass ich nicht den richtigen Schlüssel hatte. Zoran kam kurz vorbei und hat die Schraube vom Propeller dann ratzfatz gelöst. Wohl dem, der das richtige Werkzeug hat. (heute morgen habe ich mir solche Steckschlüssel gekauft..)
Ich dachte ja, dass das Bugstrahlruder (bzw der Zahnriemen) aus Altersschwäche den Geist aufgegeben hat. Aber weit gefehlt. Die gleiche Angelschnur, die ich hinten am Propeller gefunden habe, war um die Welle beim Bugstrahlruder gewickelt und hatte sich regelrecht verschweisst. Das war ein ziemliches Gefummel, das alles da rauszukriegen.

Angelschnur am Bugstrahlruder
Das war der Teil, den es verschweisst und mit der Dichtung verschmolzen hat.

Ich brauchte dann nochmal die Hilfe von Zoran, um den verbogenen Splint rauszubekommen. Anschliessend war er dann zwar kaputt, aber er meinte das wäre kein Problem – er macht mir in seiner Werkstatt einen neuen.

Zwischendrin kam noch Vagelis mit seinem neuen Auto. Das hatte er morgens um 3 Uhr an der Fähre in Vathy (Samos Stadt) abgeholt. Ein chinesischer ‚AION‘ vollelektrisch.

Am Abend habe ich dann wieder Bernhard getroffen, er hatte zwischenzeitlich seine Erkältung überwunden und wir hatten einen super Abend bei Wildschwein, Bier und weiteren hochprozentigeren Getränken. So hat dann jeder erzählt, wie er zum Segeln gekommen ist und viele weitere Erlebnisse aus der Seglerei und sonstigem. Überraschend, wie sich das ähnelte. Auch er war füher viel mit dem Zelt unterwegs und hatte ähnliche Erlebnisse gemacht. Das ging also etwas länger gestern abend. 😉

Heute morgen war dann ziemlich schlechtes Wetter. Das hatte aber nichts mit den alkoholischen Getränken zu tun. Es war plötzlich wie an der Ostsee. 15 Grad und starker Wind. Ich wollte doch das Ruder mit Epoxy und Glasmatten reparieren?! Mist. Das war wohl nichts. Also habe ich mal den Propeller mit der speziellen Antifouling Farbe gestrichen und das Ruder zumindest fertig vorbereitet für besseres Wetter. Bei den Temperaturen wird das nichts, das härtet nicht aus. Ein paar Löcher in der Aussenschicht habe noch zugespachtelt, das hat funktioniert. Im Rest der Zeit habe ich immer wieder mal einen Versuch gestartet, die Dichtung am Bugstrahlruder rauszubekommen. Nach gefühlten 10 Anläufen und vermutlich zusammengerechnet 2 Stunden ist mir das dann auch gelungen. Nachdem der Sprengring weg war, ging aber die Achse immernoch nicht raus. Mist. Muss Zoran mit einem Abzieher ran.
Damit es nicht leangweilig wird, habe ich in den Katakomben des Schiffes das Abflussventil der Pantry ausgebaut und ein neues eingebaut. Das neue Ventil hatte ich zwar schon letztes Jahr gekauft – aber das macht man doch besser, wenn das Schiff an Land steht. Eigentlich habe ich das ein wenig vor mir hergeschoben weil das Teil nicht gerade einfach zu erreichen ist. Es ging dann doch überraschend gut und vergleichsweise zügig. Nachdem es nun erledigt war, war ich mit dem Tag doch wieder zufrieden. Es gibt eben solche Tage, an denen gefühlt nicht wirklich was vorwärts geht. Aber da es draussen ohnehin kalt war, war da schon angenehmer drinnen das Ventil zu ersetzen.
Bernhard kam noch kurz vorbei und hat sich verabschiedet. Möglicherweise treffen wir ihn dann an Pfingsten, er kommt mit Andrea und sie gehen dann eine Tour machen.
Weil Stillstand ja nix ist, habe ich den neuen Ersatzanker zusammengebaut und wollte den alten Stockanker aus dem Ankerkasten holen. Das ging aber erst, nachdem ich die Kette rausgelassen hatte. Auch gut, kann ich sie mal abmessen und markieren. Es sind ca. 85m Kette, die jetzt auf dem Boden liegen.

Die Kette ausgebreitet. Dabei habe ich festgestellt, dass ein paar Kettenglieder sehr stark angerostet sind und Zeichen des Verfalls zeigen. Nicht so gut.
Der neue (Reserve) Anker aus Aluminium. Wiegt nicht mal die Hälfte vom alten Stockanker.

Nach der Ketten- und Ankeraktion bin ich in die Stadt zu Nektarios. Ich wollte mit Ihm besprechen, ob er denn nun jemand finden kann/will, der mit dem alten Anker noch was anfangen kann. Als ich ihm ein Bild gezeigt habe, war er hellauf begeistert. So einen suche er schon länger, er würde die sammeln. Was ich denn dafür haben wollte. Ich habe also das alte Teil gegen eine Dose Polyester Spachtel, ein Ersatz Kettenglied und zwei Flaggen eingetauscht. Besser als nichts und beide waren happy. Sozusagen eine ‚Win-Win‘ Situation auf neudeutsch.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt, ich habe noch das dritte Gyros Lokal ausprobiert – das war bis jetzt in der Hauptstrasse von Pythagorio das Beste. Dort habe ich Barbie die Gyros Katze kennengelernt. Sieht fast gleich aus wie die Hauskatze der Pension Felippe, in der ich gerade bin und die mich abends ab und zu besucht. Sie liegt dann auf dem gepolsterten Stuhl auf dem Balkon und ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Schmusekatze. Einmal anfangen mit streicheln/kraulen, dann will sie gar nicht mehr weg..

Gyros ?!?
Sieht fast gleich aus, die Katze der Pension Felippe. Vielleicht ist es die Gleiche und führt ein Doppelleben wie Jekyll & Hyde?


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