Road Trip – 3 Länder mit Wikingern

Road Trip – 3 Länder mit Wikingern

Letzte Woche am Samstag haben wir uns auf den Weg gemacht. Das Auto war (hauptsächlich) mit Julias Material für 3 Monate auf Aland gepackt. Da musste bei den Hinterreifen doch schon der Luftdruck etwas erhöht werden. 🙂
Die erste Etappe führte uns nach Nideggen zu Andi und Samdra. Sie waren so nett, uns für eine Übernachtung ein Bett zur Verfügung zu stellen. Und nicht nur das – es gab am Abend ein genial leckeres Grill-Menu und Bowle dazu. Iam, Iam!
Am nächsten Morgen noch lecker Frühstück, dann ging es weiter Richtung Norden. An dieser Stelle sei Euch beiden nochmals ganz herzlich gedankt, wir haben das sehr genossen und schätzen das sehr!

Gegen späteren Nachmittag sind wir dann bei einem Golf-Hotel am Timmendorfer Strand eingetroffen. Ob wir da gerade einen schlechten Einstieg hatten oder das einfach immer so ist dort, weiss ich nicht. Aber es hat sich leider jedes noch so blöde Vorurteil gegenüber Golfern bewahrheitet. Arrogant, überheblich und bis auf das Zimmer alles eher mittelmässig ohne jede ‚Seele‘. Einfach ‚geldverseucht‘, hatten wir wir den Eindruck. Jede Menge ‚Möchtegern-Reiche‘ dort in teuren Klamotten aber das wars dann auch. Wir haben am Abend zusammen mit Julias Vater und seiner Partnerin in einem der dortigen Restaurants zu Abend gegessen. Das war auch wieder so ein Ding. Da musste man dann das Essen alles über eine App auf einem Tablet bestellen – wenn man im Aussenbereich war. Das ging uns neben einem nervigen Zwischenerlebnis mit dortigen Gästen so auf den Keks, dass wir in das Restaurant reingegangen sind. Da konnte man dann ganz normal bestellen. So etwas mit einem Tablet ist einfach nicht wirklich brauchbar, unnötig kompliziert und nicht das was man als guten Service bezeichnen würde…

Bilder habe ich diese 2 Tage keine gemacht, ich war noch leicht malade. Irgendetwas hatte ich mir noch beim arbeiten in Neuhausen aufgelesen. Aber unter uns: Bei dem Golf Hotel gab es ausser vielleicht schön grünem Rasen nichts, was ein Foto gerechtfertigt hätte.

Tags darauf ging es zum Wikinger Museum ‚Haitabu‘. Das war dann eine spannende Sache. Im Museum gab es Reste eines Langboots und zugehörige Rekonstruktion zu besichtigen. Zudem jede Menge interessante Atrefakte, die man noch gefunden hatte. Von den Häusern selbst war so viel nicht mehr zu sehen. Was mir nicht ganz klar war: Auch das ist zwischenzeitlich UNESCO Weltkulturerbe. So ändert sich das im Lauf der Zeit. Damals habe das die Briten sicher anders gesehen, wenn die Nordmänner auf ‚Viking‘ gingen. Das war mir von der Bedeutung bis heute nicht so klar. Viking bezeichnete das „Auf-Reise-Gehen“ oder den Raubzug an sich. Oft wurde die Phrase fara i víking (auf Kaperfahrt gehen) verwendet. Also keine Volksgruppe, sondern eine Tätigkeit. Dementsprechend: Víkingr (Person): Bezeichnete denjenigen, der diese Reise unternahm – also den Seefahrer oder Krieger.

Der Nachbau eines Langboots mit einem der letzten Überlebenden and Bord. 😉

Nach dem Museum haben wir die nachgebauten Langhäuser leider nicht mehr angeschaut. Wir mussten ja noch bis nach Dänemark fahren. Genauer gesagt Aarhus und anschliessend Aalborg. In Aarhus haben wir einen Zwischenstop zum Abendessen eingelegt. Es wäre einfach zu spät geworden, wenn wir erst in Aalborg ein Restaurant gesucht hätten. Julia hatte ein geniales Restaurant ausgewählt, es hat sich als ein Volltreffer herausgestellt. Die Atmosphäre wie auch das Essen im Theaterrestaurant war genial. Es gab eine Vorspeise, die locker für zwei gelangt hatte und dann Fisch bis zum Abwinken. Ich hatte einen Toast mit Fisch, Krabben und Caviar bestellt. Sehr gut! Allerdings musste ich den Toast suchen. Das war wohl mehr als Alibi gedacht. 🙂

Das war die Vorspeise. Hering/Matjes in Variationen. Extrem lecker! Und dann noch das Rugbröd dazu, genial. Wenn man das allein bestellt langt das glaube ich auch als Hauptmahlzeit.

Nach dem Zwischenstop sind wir bis Aalborg gefahren. Dort haben wir in bei Nina im Garten übernachtet, in dem sogar die Schnecken Namen haben. (Die Töchter von Nina wollten das so. Die Wachteln, die sie in einem Gehege hatte, hatten auch Namen.) In einem kleinen Gartenhäuschen gab es Bett, WC und Waschbecken. Mehr braucht es auch nicht.

Das ist Herr Olsson, die Weinbergschnecke.

Am nächsten Morgen waren wir auf Empfehlung von Nina im Café / Konditorei ‚Penny Lane‘. Neben der Einrichtung, die schon sehenswert ist, gab es auch ein sehr leckeres Frühstück und … Mohrenköpfe. Die Mohrenköpfe gab es in sehr vielen Variationen. Sowas hatte ich dann auch noch nicht gesehen. Etwas anders, als wir das so kennen – aber sehr gut. Natürlich haben wir zwei von denen probiert.

Mohrenköpfe im ‚Penny Lane‘. Das nenne ich mal Vielfalt.

Nach dem Frühstück musste ich dann erstmal noch in den Laden genau gegenüber. Mit dem Aal essen in Aalborg war ja nix – aber in dem Laden gab es einen Aalborg Aquavit. Ein schönes Souvenir….
Im Anschluss sind wir bis nach Skagen gefahren, dort ist die Nordspitze von Dänemark und die Stelle, an der sich Ostsee und Nordsee treffen. Nach einer kurzen Fahrt mit dem ‚Sandwurm‘ (Traktor mit Wagen für Passagiere) standen wir dann an genau dieser Stelle. Man kann das förmlich sehen, wie da die Beiden Seen aufeinander treffen. Und – einen Seehund haben wir auch noch gesehen. Der muss wohl ein Showman gewesen sein, es machte ihm wohl sichtlich Spass, sich immer wieder mal zu zeigen und wieder abzutauchen. Zum Parkplatz sind wir dann zu Fuss zurück gelaufen, um dann gerade rechtzeitig vor Wind und Regen ins Auto zu steigen.

Hier treffen Ost- und Nordsee zusammen. Der Seehund ist gerade abgetaucht. Das mit dem Foto war ihm dann wohl doch zuviel.

Genau rechtzeitig haben wir im Anschluss die Fähre nach Schweden in Fredrikshavn erreicht. Bis jetzt kannte ich ja nur die Fähren im Süden, genauer gesagt in Italien. Das war nun schon ein Unterschied. Straff durchorganisiert mit ausgezeichneter Logistik. Die Fähren können auf zwei Stöcken gleichzeitig beladen werden. Für Autos ging es über eine Rampe an der Seite direkt in das Schiff. Ratzfatz.


Das Wetter war gut und nach einigen Stunden haben wir Göteborg erreicht. Die Stadt der Volvos, Schiffsbau und vieles mehr. Die Fähre selbst war schon auch interessant. Vielmehr eigentlich der Duty Free Shop. Den habe ich mal noch besichtigt. Da gab es viel zu kaufen… viel alkoholisches. Sonst nichts. Nur Bier, Wein, Sekt, Schnaps. Praktisch jeder an Bord hatte dann mindestens eine Palette Bierdosen gekauft. Mindestens. Getoppt wurde das durch einen Mann, der dann gleich eine bis oben beladene Sackkarre dabei hatte.
Die Fahrt von der Fähre war an sich problemlos. Wieder über eine Rampe aus dem 2. Stock runter. Aber dann ging es ewig, bis wir mal von dem Hafengelände runter waren. Nach langer Wartezeit vor dem Zoll, wussten wir auch warum. Die Coast Guard hat bei jedem (!) Fahrer einen Alkoholtest gemacht! Andere Länder … andere Gepflogenheiten. Sie werden wohl wissen, warum sie das machen. Es wird wohl schon einige geben, die da richtig an Bord ‚tanken‘. Wir hatten es bei einem Sekt in der Bordbar und einem Bier bewenden lassen, das war nach 3 Stunden offensichtlich auch schon vollkommen abgebaut. Der Test war negativ.
Bei dem Hotel einen Parkplatz zu finden hat sich als Herausforderung dargestellt. Die hatten nämlich keinen. Schlussendlich habe ich den kleinen Peugeot einfach an einer Baustelle an die Seite gestellt, direkt neben dem Hotel. Frechheit siegt, das war kein Problem.

Das Hotel. Neu, modern durchdesignt, hoch… und ohne jede Seele. Vollkomen austauschbar, wie vieles heutzutage. Aber Hauptsache es entspricht dem Design, von dem man glaubt, dass es doch allen gefällt. Das Zimmer war ja schon ok, mehr aber auch nicht.


Am Folgetag haben wir eine Kanalrundfahrt gemacht. Auch wenn das sehr touristisch klingt – das war super, man hat in kurzer Zeit vieles gesehen und Informationen über Göteborg bekommen. Unter anderem, dass die Stadtmauer 7 Meter hoch war. einen Meter mehr als die Dänen haben, damit die dann bei einem Meter mehr nicht wissen, wie man drüber kommt…. :))
Sehr schöne Gebäude und die alte Stadtmauer.

Nach der Kanaltour haben wir noch den alten Stadtteil ‚Haga‘ angeschaut. Offensichtlich hatte damals Königin Christina erlaubt, dass dort gebaut werden dürfe. Aber nur aus Holz. Wenn es ihr in den Strumpf käme, dass das Gelände gebraucht würde – dann würde das wieder abgerissen. Klare Ansage bei den Schweden. Scheinbar wurde tatsächlich irgendwann mal wieder ein Teil abgerissen, dennoch ist einiges erhalten.

Der Stadtteil ‚Haga‘

Nach der Besichtigung ging es weiter. einmal quer durch Südschweden. So mehr oder weniger. Auf der Fahrt zum nächsten Übernachtungsplatz ging es durch viel Landschaft. Betonung auf ‚Land’…alles weit und offen, aber keine Elche? Meine Vermutung war, dass die sich hinter den Bäumen stehen und die Luft anhalten, damit man sie nicht sieht. Überraschenderweise war es doch recht warm in Schweden, wir hatten etwa 26 Grad. Recht angenehm.

Irgendwo auf der Fahrt

Am Abend mussten wir ein wenig suchen, dann haben wir unsere Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Es war ein Tipi an einem See. Genauer gesagt auf einem Zeltplatz am See. Was für eine tolle Überraschung! Es ist also alles etwas minimaler ausgefallen, was das Abendessen anbetrifft, aber das war gar kein Problem. Zwischendrin hatten wir ja in einer Kleinstadt bei einer Bäckerei / Konditorei noch Schwedentorte und Rabarberkuchen genossen.

Lecker Kuchen. Das können sie hier wirklich. Kuchen, Kekse, etc.
Das Zelt am See. So ein ähnliches hatte ich auch mal. Wunderbar.
Recht luxuriös im Zelt. Nachdem wir den Sonnenuntergang genossen hatten, haben wir es uns gemütlich gemacht. Das war ein wirklich schönes Erlebnis! :))
Aussicht vom Zelt aus.

Am folgenden Tag ging es weiter

Am folgenden Tag ging es weiter – an den ganzen Elchen vorbei bis zu Gunella’s Ferienhaus knapp 100km vor Stockholm. Ihr Grossvater hatte dieses Grundstück wohl mal in den Fünfzigern gekauft. Da stehen ein paar Ferienhäuschen drauf und … es gehört sogar eine kleine Insel dazu.

vorn rechts die kleine Insel. Blick vom Grundstück aus auf den See.

Wir wurden von Gunella und Stefan regelrecht verwöhnt. Stefan hatte einen Toast mit selbst gefangenem und geräuchertem Fisch vorbereitet (extrem lecker) und dann gab es noch Feines vom Grill und ein Dessert in der Abendsonne. Traumhaft.

Am Folgetag wollte ich dann unbedingt noch Stockholm sehen – und die Wasa. Das hatte ich ja vor fast 30 Jahren verpasst. Eigentlich hätte ich mitgehen können auf eine Benutzerkonferenz in Stockholm. Aber damals dachte ich ein Projekt in Bern sei viel wichtiger. Was für ein Blödsinn, ich hatte da wirklich was verpasst und das wollte ich jetzt nachholen.
Dieses Schiff ist wirklich sehenswert. Mehr oder weniger gleich nach dem Stapellauf gesunken ist es zwar eher eine Peinlichkeit für die schwedische Marine gewesen. Aber ein absoluter Glücksfall für die Archäologie. Ein Riesenschiff aus Holz mit Verzierungen, die Ihresgleichen suchen. Hoffentlich bleibt das noch lange so erhalten.

Die Wasa. Auch ohne die damalige Bemalung absolut sehenswert und beeindruckend.

In Stockholm sind wir dann zur ‚Gamla Stan‘ (Altstadt) gelaufen um schlussendlich dann mit dem Auto zu Gunellas Haus vor Stockholm zu fahren und dort zu übernachten.

Gunellas Haus liegt auch an einem See….

Am nächsten Morgen mussten wir um 5.30 aufstehen, um 6.10 losfahren zur Fähre zu den Aland Inseln. Auf der Fähre gab es dann ein ausgezeichnetes Frühstück, das keine Wünsche offen liess. Neben dem üblichen Standardprogramm gab es Lachs, Matjes, Waffeln… und eine Menge mehr. Auf dem Schiff selbst natürlich wieder ein Duty Free Shop. Man ahnt es: Viel Alkohol. Allerdings dieses mal auch anderes. Dummerweise habe ich überhaupt nicht geschaltet. Zwar wieder alle gesehen, die Bier in rauhen Mengen gekauft haben – aber nicht geschaltet, dass die Idee schon nicht so blöd ist. Im hiesigen Supermarkt auf Aland kostet eine 33cl Dose € 2.57. Das ist schon eine Ansage.

Aber was solls. Nach etwa 30 Minuten waren wir von Mariehamn bis zum Ferienhaus gefahren. Dort sind wir jetzt und machen heute am Sonntag etwas ganz Wichtiges: Nichts. Ausser vielleicht diesen Blog schreiben und mit dem elendig langsamen Internet kämpfen.

Blick vom Ferienhaus am See. Mit eigenem Steg und Saunahaus. Toll!



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